2 – jähriges Bestehen der Beratungsstelle Lichtblick beim Caritasverband für den Landkreis Miltenberg
Im März 2024 startete die Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, beim Caritasverband für den Landkreis Miltenberg. Gefördert wird die Beratungsstelle vom Landkreis Miltenberg.
Inge Richter und ihre Kollegin Christiane Muth, zwei erfahrene Fachkräfte, mit insgesamt 1,5 Stellen, begannen mit Unterstützung durch ein professionelles Coaching und dem Vorstand des KCV Miltenberg, Heinrich Almritter mit dem Aufbau der Beratungsstelle und deren Implementierung in den Landkreis und in die Strukturen des Caritasverbandes Miltenberg.
Den Namen „Lichtblick“ fanden die Fachleute passend, da sie Helligkeit ins Dunkel bringen und Betroffenen wie auch Angehörigen, Vertrauenspersonen und Fachkräften Hilfe und Zusprache anbieten wollen.
Beide Beraterinnen waren zum Start der Beratungsstelle bereits mit verschiedenen Fort- und Weiterbildungen qualifiziert. Zusätzlich besuchten sie einschlägige Qualifizierungsmaßnahmen. Beide Fachberaterinnen sind „Insoweit erfahrene Fachkraft.“ Fachkräfte und Teams können sich bei entsprechenden Verdachtslagen an die Beratungsstelle wenden und eine fundierte Beratung dazu vereinbaren.
Bereits im Mai 2024 konnte die Beratungsstelle die ersten Beratungen für Betroffene und Fachkräfte durchführen. Seitdem wird das Beratungsangebot zunehmend angenommen, wie die Statistik der Beratungsstelle Lichtblick für die Jahre 2024 und 2025 zeigt.
Eine zentrale Aufgabe der Beratungsstelle Lichtblick ist die Beratung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahre mit sexualisierter Gewalterfahrung. Auch Eltern, Bezugs- und Vertrauenspersonen von betroffenen Kindern und Jugendlichen können sich Rat und Hilfe in der Beratungsstelle holen. Sie ist eine erste Anlaufstelle, die bei vermutetem und aufgedecktem sexuellen Missbrauch berät und bei den Überlegungen und Umsetzungen der nächsten Schritte unterstützt. Die Begleitung und Beratung sollen auf die betroffenen Personen und deren Alltag stabilisierend wirken. Bei Therapiebedarf wird an niedergelassene Therapeuten weitervermittelt. Die Beratung ist vertraulich, kostenfrei und kann auf Wunsch auch anonym erfolgen. Pädagogischen Fachkräften und ehrenamtlichen Helfern bietet Lichtblick Fallberatung, Fachberatung, Teamberatung und Fortbildung.
Die Beratung der Beratungsstelle Lichtblick ist grundsätzlich kostenlos.
Eine weitere wichtige Aufgabe von Lichtblick liegt in der Entwicklung und Pflege eines Netzwerkes mit anderen Beratungsstellen und Trägern. Wichtige Partner innerhalb des Landkreises sind das Jugendamt mit seinen Fachabteilungen sowie die beiden Polizeidienststellen und die Kriminalpolizei. Zu Schulen und Kindergärten bestehen enge Kontakte. Auch andere Beratungsstellungen wie SEFRA e.V. oder der WEISSE RING e.V. zählen zu den Kooperationspartnern. An dieser Stelle ist auch die Zusammenarbeit mit der Erziehungsberatungsstelle zu erwähnen, die sich ebenfalls beim Caritasverband für den LK Miltenberg befindet, wenn dies in bestimmten Fall-Konstellationen notwendig sein sollte, enorm wichtig.
Ein weiterer Schwerpunkt der Beratungsstelle ist die Prävention. Prävention erfolgt durch Projekte mit Kindern und Jugendlichen z.B. durch Wissensvermittlung an pädagogische Fachkräfte wie beispielsweise Lehrkräften, Erzieher*Innen, Jugendsozialarbeiter*innen an Schulen.
Der Start in die Präventionsarbeit war ein Präventionsworkshops für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 12 Jahren, der als Grundlage für eine Multiplikator*innen-Fortbildung für Fachkräfte an Schulen dienten. Prävention und Intervention im Schulalltag verankern „Gemeinsam stark gegen sexualisierte Gewalt“ lautete der Untertitel einer 4-teiligen Tandem-Fortbildung für Lehrkräfte und „Jugendarbeit an Schulen“.
Im Herbst 2025 kamen 35 Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen der Jugendhilfe und -beratung zu einem Fachtag „Werkstatt sexualisierte Gewalt im digitalen Raum“ zusammen. Die Beratungsstelle Lichtblick lud dazu in die Räume des Caritasverbandes Miltenberg ein. Gemeinsam geplant und durchgeführt wurde dieser in Kooperation mit dem erzieherischen Jugendschutz, dem Medienpädagogen für die Schulen des Landkreises und der „Jugendarbeit an Schulen“.
Lichtblick bietet jedoch fortlaufend weitere Präventionsangebote für Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen, Schulen und Ganztagsbetreuung an.
Hierzu zählt das Fortbildungsangebot „Noch Doktorspiel oder schon sexueller Übergriff – wieviel Körpererkundung ist okay?“ Mitarbeiter*innen aus Kindertagesstätten und Grundschulen werden immer wieder mit sexualisierten Verhaltensweisen von Kindern konfrontiert und fragen sich: „Ignorieren? – Erlauben? – Ermutigen? – Eingreifen? – Verbieten?“ Fachkräfte erhalten bei dieser Fortbildung eine Einschätzung, wie ein solches Verhalten einzuordnen ist, ob es „normal“ sein könnte oder ob es ein Übergriff ist. Ziel der Fortbildung ist es daher, Sicherheit im pädagogischen Umgang mit den betroffenen und den übergriffigen Kindern zu erlangen.
„Sexualisierte Gewalt an Kindern erkennen und handeln und eine Grundschulung „Prävention“, informieren pädagogische Fachkräfte über das Thema sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Dabei werden Handlungssicherheit sowie einen kompetenten Umgang mit diesem Thema vermittelt. Dieses Fortbildungsangebot kann ebenfalls kostenfrei gebucht werden.
Der Informationsabend „Wie kann ich mein Kind vor sexuellem Missbrauch schützen und stärken?“ richtet sich an Eltern und Erziehungsberechtigte von Mädchen und Jungen im Vorschul- und Grundschulalter. Sexualisierte Gewalt an Kindern ist kein Alltagsthema und führt oftmals zu starker Verunsicherung, wenn es plötzlich auftaucht. Doch Eltern können eine Menge tun, um Ihr Kind vor sexueller Gewalt zu bewahren. Im ersten Teil dieses Abends werden grundlegende Informationen über das Ausmaß von sexuellem Missbrauch sowie über das Vorgehen von Tätern und Täterinnen vermittelt. Im Anschluss wird mit den Teilnehmenden besprochen, wie sie die Inhalte der Präventionsthemen in den Familienalltag übertragen und mit Leben füllen können. Ziel ist es, Kinder im Alltag zu unterstützen und sie zu selbstbewussten und eigenständigen Persönlichkeiten zu erziehen. Dabei ist es wichtig, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen und Fragen zu beantworten.
Ein neues Projekt startet die Beratungsstelle im April 2026 gemeinsam mit dem erzieherischen Jugendschutz des Landratsamtes und den Präventionsbeamten der Polizeidienststellen Obernburg und Miltenberg mit „PeerThink“ für Schüler*innen der 6. und 7. Klassen. Es wird einen Themen-Parcours geben, bei dem die Polizei über Anzeige und Straftatbestände informiert. Julia Hildenbrand vom erzieherischen Jugendschutz hat in ihrem Workshop „Sexuelle Gewalt im digitalen Raum“ im Blick und die Beratungsstelle Lichtblick geht mit den Schüler*innen der Frage nach, was sexuelle Gewalt ist und wo sie beginnt.
Um sich auf dem Laufenden zu halten und vernetzt zu bleiben, nehmen die Beraterinnen an verschiedenen Arbeitskreisen und Fachtagen teil. Regelmäßige Teamsitzungen und die Begleitung durch eine fachlich kompetente Supervisorin garantieren die Reflexion der, zeitweise belastenden Arbeit.
Die Beratungsstelle Lichtblick im Miltenberger Familienzentrum in der Mainstraße 19a ist erreichbar unter E-Mail: lichtblick@caritas-mil.de, Telefon: 09371/9789-71.