Zusammen und doch allein – Einsamkeit im Alter

Die Frau an der Kasse im Supermarkt möchte gar nicht reden, sie möchte nur schnell ihre Ware übers Band ziehen. Für Smalltalk hat sie keine Zeit und schaut missmutig, weil es ewig dauert, bis die Tasche gepackt ist. Den Dorfladen um die Ecke gibt es schon lange nicht mehr und auf dem Rathausplatz sitzt keiner. Der Bus in die Stadt, wo man einmal bummeln könnte, fährt nur zu Schulzeiten. Außerdem tun die Knie weh.

Einsamkeit im Alter ist traurig, Einsamkeit macht krank. Doch woher kommt sie überhaupt? Warum trifft sie vor allem ältere Menschen? Und was kann man als betroffene Person, was können wir als Gesellschaft dagegen tun?

Einsamkeit ist subjektiv

Einsamkeit lässt sich nicht messen. Sie ist ein subjektives Gefühl. „Einsamkeit entsteht, wenn die eigenen sozialen Beziehungen nicht den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen“, sagt zum Beispiel die Bundesregierung. „Der empfundene Mangel kann sich sowohl auf die Zahl der Kontakte als auch auf die Tiefe und Enge der Bindungen beziehen.“  Es gibt also Menschen, die sich mit wenig Kontakt nicht einsam fühlen und andere, die scheinbar umgeben sind von Menschen, und doch allein.

So individuell wie das Einsamkeitsempfinden seien auch die Ursachen und Lösungen, erklärt Karola Hennig, Pflegedienstleitung der Sozialstation St. Franziskus. Es könnten veränderte Familienstrukturen oder der Wegfall sozialer Kontakte eine Rolle spielen, beispielsweise durch Renteneintritt oder Krankheit. „Es fällt im Alter immer schwerer, neue Kontakte zu knüpfen“, so Hennig. „Die Eigenmotivation lässt nach. Es braucht oft jemanden, der dazu motiviert, an etwas teilzunehmen.“

Auch der ungewohnte Umgang mit Medien kann die Einsamkeit verstärken. Kommunikation findet häufig nur noch online statt. Die digitale Welt verändert die realen Strukturen. „Durch die zunehmende Digitalisierung fallen Kontaktpunkte in den Orten weg. Man trifft so auch niemanden mehr zum Reden“, sagt Hennig.

Die Lösung: Mehr Wir

Die Lösung? „Wieder mehr vom ICH zum WIR“, erklärt Karola Hennig – im Alltag, auf der Straße, in der eigenen Familie. Auch professionell kann man Einsamkeit begegnen: „Es gibt tatsächlich schon viele Angebote und Initiativen in vielen Gemeinden, zum Beispiel Nachbarschaftshilfen, Besuchsdienste, Seniorentaxis, Nachmittags-Treffs, Tagespflegen… nur die Hemmschwellen sind zu groß. Hier können wir alle unterstützen und ältere Menschen zum Beispiel begleiten, um ihnen den Einstieg zu erleichtern.“  Außerdem plädiert sie für Generationenprojekte, in denen sich Alt und Jung treffen, oder aufsuchende Beratung ab einem gewissen Alter.

Wir können also gemeinsam viel ausrichten gegen das Phänomen Einsamkeit. Hinschauen. Zuhören. Reden. Denn: Zusammen ist man weniger allein.

Link zu den Tagespflegen der Caritas