Das Wort Psychohygiene klingt nach Reinigung, nach Sauberkeit, nach Sich-Befreien. Als müsste ich mich und meine Seele nur unter die Dusche stellen und besonders gut schrubben.
Aber geht das in Bezug auf die Psyche? Was muss ich dafür tun, und wie oft? Kann ich das allein oder brauche ich jemanden dazu?
Psychohygiene ist die „Pflege der Seele“ und schützt vor Belastungen, sie kann sogar Erkrankungen präventiv entgegenwirken. Die Verbesserung der Psychohygiene geht mit einem gesunden Gleichgewicht, mit Zufriedenheit und psychischer Widerstandsfähigkeit (= Resilienz) einher.
Statt kräftig zu schrubben, sollte man die Seele bei der Psychohygiene aber besser umarmen. Dafür eignet sich die sogenannte „Me-Time“. Eine Zeit, die bewusst für sich selbst genutzt wird, ein Fenster im Alltag für die eigene Seelenpflege. Im günstigsten Fall wäre das ein Termin – täglich oder wöchentlich – der im Kalender notiert ist und ohne Störfaktoren verbracht wird, abseits von jeglichem Trubel. Wichtig ist, dass sich eine Routine entwickelt und die MeTime nicht „hektisch“ in den Alltag gequetscht wird. Wie dieser Termin gestaltet wird, obliegt jedem selbst und richtet sich nach den eigenen Vorlieben – ob Sport, Hobby oder bewusste Entspannungstechniken. Ein paar Beispiele finden sich hier:
Entspannung: Ob Meditation, Yoga, Qi Gong oder Atemübungen für mich das richtige sind, ist eine sehr individuelle Entscheidung, denn jeder Mensch und jeder Körper ist anders. Das Einzige, was zählt, ist, ob mir die jeweilige Art der Entspannung Freude macht und mir guttut. Ein weiterer Bereich, um der Seele Gutes zu tun, sind kleine und große Auszeiten, Stille und bewusste Pausen im Alltag. Im Grunde wissen wir alle, dass wir regelmäßig Pausen machen sollten. Durch sie können wir Stress abbauen, unsere Leistungsfähigkeit und Konzentration aufrechterhalten und fördern. Sie halten uns auch körperlich gesünder. Und trotzdem fällt es uns im stressigen Alltag oft schwer, uns eine Pause zu gönnen. Dabei hilft schon ein Spaziergang an der frischen Luft von nur 10 Minuten, um einfach mal den Kopf freizubekommen. Gerade die Verbindung aus Bewegung und frischer Luft führt recht schnell zu körperlicher und psychischer Entspannung.
Zum anderen spielen die Gedanken eine große Rolle: Sich mit diesen auseinanderzusetzen, sie zu hinterfragen und positiv zu beeinflussen ist essenziell.
Ein wichtiger Grundpfeiler der Psychohygiene ist die Selbstliebe. Selbstliebe, ist das nicht egoistisch? Nein! Nur wenn ich mich selbst liebe, kann ich auch liebevoll mit meinem Gegenüber umgehen. Übrigens ein sehr wichtiger Satz, der auch schon in der Bibel steht: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Denn ohne Selbstliebe fällt es mir schwer, mir eigene Fehler zu verzeihen und es fehlt das Bewusstsein, das eigene Seelenleben zu pflegen und achtsam mit sich selbst umzugehen.
Nicht nur wir selbst können uns darum kümmern. Denn Menschen, die uns guttun, uns positive Gefühle bringen – ob in der Partnerschaft, Freundschaft, Familie oder auch nur ein flüchtiger Kontakt – stärken unsere psychische Stabilität. Auch für die MeTime ist Unterstützung von anderen Menschen unabdingbar. Sie halten uns den Rücken frei und müssen auch ein „Nein“ aushalten können, wenn mir alles einfach zu viel wird.
Hinzu kommen kreative Beschäftigungen, wie zum Beispiel Malen, Musizieren oder Handwerken. Sie wirken sich nachweislich auf die Reduzierung von Stress aus und können das Selbstwertgefühl verbessern. Dabei wird Neues erschaffen und gleichzeitig das innere Gleichgewicht gestärkt. Mit dem kreativen Ausdruck können wir aufräumen, Klarheit schaffen und unsere Selbstwirksamkeit entdecken. Innere Belastungen erhalten ein Ventil im Außen. Das befreit!
Es geht letztendlich darum, sich selbst die Frage zu stellen: Was tut mir gut? Was macht mir Freude? Wovon brauche ich mehr und wo stehe ich gerade?
Das klingt nach großen Fragen, doch gerade im Alltag – im Hier und Jetzt – lohnt es sich, diese Fragen zu stellen. Und dann ist es vielleicht nur ein Kaffee, der gebraucht wird, ein frischer Durchzug oder eine Umarmung.