Die wilde grüne Kraft – wenn die Natur im Frühling aus dem Winterschlaf erwacht

Mit dem neuen Jahr erwachen auch die Kräuter – wild und wunderbar, doch häufig auch als Unkraut verkannt: Brennnessel, Gänseblümchen, Löwenzahn, Knoblauchrauke, Vogelmiere oder Giersch, um nur einige zu nennen, sind allesamt Vitaminspender und gut für die Frühjahrskur!

Brennnessel

Die Brennnessel ist ideal, um die müden Geister zu wecken. Ihr Vitamin- und Mineralgehalt sind beachtlich, sie enthält etwa zehnmal so viel Vitamin C wie der Kopfsalat! Die Brennnessel wächst praktisch überall, bevorzugt auf stickstoffreichen Böden. Regelmäßig geschnitten können die jungen frischen Triebe fast ganzjährig geerntet werden. Man sollte dieser wehrhaften Pflanze ein Fleckchen Erde im Garten überlassen. Sie ist als Spinatersatz in Pfannkuchen, Suppen, Aufläufen und als Gemüse wunderbar zu verarbeiten. Die proteinreichen Samen schmecken lecker und leicht nussig. Einfach aufs Butterbrot oder über den Salat oder Brotaufstrich, in Butter geröstet oder frisch von der Pflanze abgestreift. Man sollte sich einen Wintervorrat anlegen!

Gänseblümchen

Der lateinische Name des Gänseblümchens „Bellis perennis“ deutet auf seine unermüdliche Blütezeit hin.  Bellis – schön, hübsch, und perennis – ausdauernd. Es blüht von Februar bis in den November. Mindestens! Das Gänseblümchen ist weit verbreitet, jeder kennt es, vielleicht schenkt man ihm deshalb auch wenig Achtung. Das ist schade, denn die Blüten, Blätter und Knospen können roh oder leicht gedämpft als Wildkräuter verzehrt oder einfach aufs Butterbrot gelegt werden, hervorragend auch im wilden Kräutersalat. Ein kulinarischer Glücksgriff!

Löwenzahn

Der Löwenzahn, der während seiner Schirmchenfreigabe viele Leute verärgert, ist häufig auf gedüngtem Boden anzutreffen, er ist ein Stickstoffanzeiger. Aber er kommt überall zurecht, auch zwischen Pflastersteinen. Der Löwenzahn erhellt mit seinen leuchtend gelben Blütenköpfen, die sich allerdings nur bei Sonnenschein öffnen, unser Gemüt. Nicht nur die Kaninchen, Hasen und Insekten freuen sich über den Löwenzahn, auch wir Menschen haben ihn wieder für die Küche entdeckt. Die Blüten kann man für Löwenzahnhonig (300g Löwenzahnblüten, 1 Liter Wasser, 1 Kg Zucker, 1 Bio Zitrone) verwenden, die Knospen mit Essig zu falschen Kapern einlegen. Die jungen Blätter eignen sich im Frühlingssalat oder –Kräuterquark. Der Löwenzahn enthält Bitterstoffe und sehr viele Mineralien. Er wirkt also appetitanregend und verdauungsfördernd sowie immunstimulierend.

Knoblauchrauke

Die Knoblauchrauke ist zu finden auf nährstoffreichen Böden, in Gebüschen und Au- und Laubwäldern, gerne schattig. Die Blätter riechen zerrieben auffallend nach Knoblauch. Eine Alternative zu Schnittlauch oder Petersilie, gut in Kräuterbutter, Pesto, Eierspeisen, Quark, Frischkäse – aber nur roh zu verwenden. Mein absolutes Highlight: Knoblauchraukenpesto! (siehe unten)

Vogelmiere

Eine wahre Vitaminbombe, auch Hühnerdarm, Mäusedarm und Vogelmeier genannt. Die Vogelmiere wird als Archäophyt bezeichnet, was so viel bedeutet wie „alte Pflanze“, weil sie angeblich schon in der Steinzeit bekannt war. Schwer zu jäten, weil sie dauernd abreißt und einen ausgedehnten Wurzelfilz bildet. Aber man sollte sich nicht ärgern, sondern sie essen! Verwendbar als Wildgemüse, Spinat oder im Kräuterquark. Sie ist reich an Kalium und Eisen und zählt zu unseren Must have im Frühjahr. Sie wächst weltweit und fast das ganze Jahr! Lecker zum Beispiel im Vogelmieren-Dip (siehe unten)

Giersch

Der Giersch … hat er einmal Fuß gefasst, gibt es kaum ein Mittel ihn zu verdrängen. Jäten oder Umgraben nutzt da wenig, es ist für ihn die willkommene Verjüngungskur. Doch das verhasste Unkraut sollte besser „Wunderkraut“ heißen. Seine Verwendungsmöglichkeiten in Suppe, Salat, Gemüse, Aufstrich oder Gebäck ist vielseitig. Er unterstützt auch unsere Gesundheit, hilft bei der Ausscheidung von Harnsäure, lindert so Rheuma und Gicht. Nicht umsonst hat er auch den Namen Zipperleinkraut. Ein ganz wichtiger Kandidat für unseren grünen Wiesencocktail oder Green Smoothie!

Vorsicht: Man probiere keine Pflanzen, bei denen man sich nicht sicher in der Bestimmung ist! Nicht alle Pflanzen sind bedenkenlos essbar.

Zusammengestellt: Marita Prechtl

Natur- und Landschaftsführerin NP Spessart

Kräuterführung: 1. April

Führung zum Tag des Baumes, die Zitterpappel: 18. April

Knoblauchraukenpesto

3 Handvoll Knoblauchraukenblätter sehr fein hacken,

30g Sonnenblumenkerne gehackt, 30g oder mehr Parmesan geraffelt,

schwarzem frischem Pfeffer und 1/8 Liter Olivenöl gut mischen. Mit Salz

abschmecken.

Vogelmieren Dip

2 Handvoll Vogelmiere, 1 Handvoll Wildkräuter, 1 Becher Schmand,

1 Becher Joghurt, 3EL Olivenöl, 1 Schalotte, Salz, Pfeffer und Knobi,

Kräuter und Schalottte waschen, abtropfen lassen und fein hacken,

Sauerrahm, Joghurt und Olivenöl verrühren, Grünkraft zugeben und mit Salz, Pfeffer

und Knobi abschmecken.

Nudeln in Knoblauch – Giersch – Olio:

1 Teil Knoblauch, 6 Teile Giersch, Olivenöl, Salz, frischer Pfeffer, 500g Nudeln.

Die Knoblauch-Gierschmischung in viel Öl anschwitzen, gut salzen mit den gekochten

Nudeln mischen und anrichten.

Von Marita Prechtl, Natur- und Landschaftsführerin im Naturpark Spessart aus Dorfprozelten